Biodiversität

Unser Garten sieht ziemlich wild aus.
Unsere Vorfahren haben die alten Bauernhäuser in Wäldi in Ost-West-Richtung aufgestellt. Auf diese Weise geben sie dem Wind weniger Angriffsfläche und der grösste Teil der Fassade ist Südseite, im Sommer wie im Winter kann die Sonne die Wohnflächen erleuchten und erwärmen. Früher, als der grosse Kachelofen an dem Ort stand, an dem ich jetzt meinen nächsten Blogbeitrag schreibe, und hauptsächlich Küche und Wohnzimmer damit beiheizt werden konnten, war das sicher ein sehr grosser Vorteil.

Heutzutage, wo die Temperaturen immer mehr in die Höhe klettern, sind wir allerdings sehr glücklich um die Sträucher und Fassadenkletterer, die unser Haus vor so viel direkter Sonnenenergie schützen. Der Ginster, der, als wir hier einzogen, bescheiden einen kleinen runden Holzbottich bewohnte, hat sich zum manchmal gelbblühenden Monster ausgewachsen und bedeckt die halbe Fassade unseres Hauses. Die Passionsblume, die lange den Hauptauftritt an unserer Hausmauer bestritt, hat sich verschreckt in die Höhe geflüchtet. In den Asphaltritzen haben sich Akelei und Königskerzen ein Plätzlein erkämpft. Nie im Leben hätte ich einen Goldregen gepflanzt, da er ja giftig ist, aber da er sich nunmal selbst einen Platz erobert hat, ist auch er willkommen. Überall sausen rote Feuerhähnchen herum. Häuschenschnecken kleben an den Sträuchern. Aus Forsythie und Hibiskus rund um den Treppenaufgang habe ich einen Bogen geformt, der auch offiziellen Besuchern Schatten spendet.

So richtig wild ist aber der ehemalige Bauerngarten. Die Natur tobt sich aus. Andy findet, lange können wir das nicht mehr zulassen. Bald müssen wir sonst roden: Birken und Haselsträucher wachsen schneller, als man denkt. Der Brombeer hat die Himbeesträucher bereits gebodigt, einige auf den Kompost geworfene Walnüsse haben vor Jahren doch ausgetrieben und sind jetzt stolze Jungbäume geworden… Am meisten Freude habe ich aber an einem veritablen Ameisenhaufen mitten im Garten. Er ist etwa 30 cm im Durchmesser und nur etwa 15 Zentimeter hoch, aber die Tatsache, dass Ameisen in den Asphaltspalten vor der Garage herumkrabbeln und kleine Erdkrümel hinterlassen, gibt mir eine Ahnung davon, dass wir wohl unter unserem Garten eine Megacity von Ameisen beherbergen. Schön!